Jedoch begann sie erst nach der Geburt ihrer Tochter an eigener Musik zu schreiben. Sie sagte, dies habe ihr die Augen geöffnet. Doch betont Penelope Trappes, dass Kreativität nicht mit dem Alter verschwindet, sondern sich weiterentwickelt. Sie kritisiert die Musikindustrie, die Frauen über 30 oft ignoriert.
Nicht nur für ihr neustes Klangwerk „A Requiem“ arbeitete Penelope Trappes isoliert, auch um besser aus ihrer kreativen sterblichen Hülle zu transzendieren; damit sie in ein magisch-mystisches Abenteuer aus dramatischen Ambient des Gothic-Experimentalismus schweben kann, wie es ihr neues Album hervorragend aufzeigt.
„A Requiem“ ist ein musikalischer Gottesdienst, der den Tod und die Trauer thematisiert. Die Songs sind als Zaubersprüche konzipiert, die ihr helfen, die Realität von Sterblichkeit und Verlust zu akzeptieren. „Ich war auf der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen einem ‚Himmel‘ und einer ‚Hölle‘ und schrie nach der Weisheit unserer Vormütter – die auftauchte und mich zu wahrer Stärke und Schönheit führte. Ich hörte mir die Trauer genau an. Der Tod ist ein Teil unserer Realität. Unvermeidlich. Allgegenwärtig. Aber Albträume können schön sein.“, erzählt sie.
Die Songs auf „A Requiem“ sind wie Zaubersprüche, die ihr halfen, die Kraft aufzubringen, ihr eigenes Bewusstsein von Sterblichkeit, Isolation, Tod und drohendem Verlust zu überwinden. Denn der Tod ist ein Teil unserer Realität. Unvermeidlich und allgegenwärtig dazu. „Dieses neue Album ist eine lebendige Beerdigung. Es ist eine feierliche Sammlung von Musik. Eine Ode an die Liebe, das Leben und den Frieden.“
Ein Cello eröffnet mit „Bandorai“ die erste Anrufung mit einem Song, worin Penelope Trappes die Huldigung der schamanischen Mutter zelebriert. Der schwere Sound durstreift die magische Sphäre, wie Nebelschwaden auf Feldspitzen.
Auf musische Weise in Angst wandelnd, umgibt „Second Spring“ eine Stille, die von Schwingungen zerschmettert wird. Penelope Trappes betritt einen Ort, wo die Zeit zentriert ist.
„Platinum“ schrieb Penelope Trappes langsam und allein in Schottland. In dem Song begleitet eine düstere Atmosphäre ihren höhlenartigen Gesang als Ausruf zu den Waffen, die zur Verteidigung gegen drohende Schlachten dienen, um der extremen Angst und Selbstzerstörung entgegenzuwirken. Es geht darum, nach einer langen Zeit zu erwachen, den Kampfgeist für die Suche nach Empathie und Liebe zu finden, sowie an die innere Stärke zu appellieren, um in extrem harten Zeiten zu kämpfen.
„Sleep“ ist eine letzte Bootsfahrt, die das Traumbild hervorruft. Des Vaters Schlafes führt zur Lichtgestalt, die ihn in das unterirdische Bett ewig schlafen legt. Der Song ist von schauriger Kraft, bei dem jedes tiefe Geklimper und jede taktile Bassnote das konzeptionelle Klopfen an der Tür des Todes weiter unterstreicht. „Es ist unendlich schwer, diese Worte überhaupt zu singen, weil es so widersprüchlich ist, darüber nachzudenken – eine seltsam gleichgültige Sehnsucht, dass das Leben deiner Eltern zu Ende geht, dass sie friedlich ihrem Schmerz entkommen und befreit werden.“ Musikalisch war der Sound impulsiver und herzzerreißender, welcher in Penelope Trappes eine drastische Reinigung der Emotionen vollführte.
In „Anchor Us to Seabed Floor“ verweilt weiterhin die Hoffnung im Herzen, während es gilt, den Sturm zu überstehen. In diesem Ruf sinken die stillen Gedanken sanft zur Meeressohle, um dort letztendlich freigesetzt zu werden.
„Red Dove“ symbolisiert eine Rote Taube, die für Frieden und Versöhnung steht. Der Song wurde von Juri Tarassow, einem Zauberer und Exorzisten, aus Werner Herzogs Dokumentarfilm ‚Glocken aus der Tiefe“ inspiriert. „Ich hatte einen Traum, in dem ich mich inmitten der Ruinen der Gesellschaft befand und einen kleinen Jungen sah, der eine rote Taube hielt. In der verwüsteten Luft lag ein ausgeprägtes Gefühl für das belastende existenzielle Rätsel der menschlichen Erfahrung.“
Der titelgebende Song „A Requiem“ hat für Penelope Trappes eine besondere Bedeutung, da er eine Hommage an ihre kranken Eltern darstellt. Die Verbindung zur Erde und der Verlust werden in den Bildern und Klängen des Songs eindrucksvoll eingefangen.
Im abklingenden „Thou Art Mortal“ wird darauf aufmerksam gemacht, dass jeder Mensch sterblich ist. Penelope Trappes erlaubt sich in diesem Song dem Ruf nach Heilung in der Stille zu folgen.
Mit einem transzendenten „A Requiem“ hat Penelope Trappes in unterschiedlichen meditativen, aber auch tranceartigen-psychedelischen Zuständen ihr generationsübergreifendes Traumata verarbeitet. Zudem hat sie sich ihren eigenen Dämonen gestellt und dabei ein durchdringendes Album erschaffen, das den Zustand der heutigen Welt widerspiegelt.
Für den einen könnte während des Hörens das Albums wie schwere Kost im Magen liegen, doch für den anderen ist ihre Musik ausgewogene Poesie. Es gleicht einer unabdingbaren Poesie der ungeborgenen Geborgenheit. Die Kunst im Leid den Segen zu finden. „A Requiem“ ist ein düsteres Manifest, die wie eine Melodie im Hintergrund läuft.
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Vinyl: Black, mit Inlay und Texten